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Conlog ist die Fortsetzung von Monolog, Dialog zu einer Form des Zusammenlebens- und Tuns, in dem die Fähigkeiten jeder einzelnen Person (oder Materials), in einer Weise zusammen konzentriert werden, dass daraus Möglichkeiten entstehen, die dem einzelnen verwehrt sind.
Jeder Beitrag eines Menschen oder Materials wird dabei als Gewinn verstanden, als Bereicherung und Erweiterung des Conlogs. Es entstehen die gleichen Rechte, das gilt explizit auch für alle Ressourcen oder für den Umgang mit der Welt / Natur.
Die Zielsetzung und Ethik eines Conlogs orientiert sich rein an der Förderung des (biologischen) Lebens (“Leben für Leben”) auf dieser Erde. Dies ist nur in Kreisläufen möglich.
Daher wird in einem Conlog der gesamte Nutzen wie auch der Schaden einbezogen und in Kreisläufen ausgeglichen, wie dies im biologischen Leben Grundlage ist.

2005 wurde Conlog München e.V. nach der Idee und auf Initiative von zeittragen gegründet.

Aktuelle Projekte:

Olivenöl
Tauschringe

Informationen dazu folgen.
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Flussrequien, Auswahl

Der 11. September 2001 war sicher ein Wendepunkt der Weltgeschichte. Terrorismus mit unzähligen Opfern fand einen Teil der Welt vor, der in seinen Grundängsten bestätigt und vollkommen erschüttert war.

Terrorismus gehört nicht nur seit diesem Zeitpunkt zum Alltag der Welt. Einmal in dieser Art gerufen, wird er als Gespenst bleiben, und immer wieder zuschlagen. Es ist auf absehbare Zeit kein Wille erkennbar, der Maßnahmen gegen das Entstehen von terroristischen Ideen erkennen lässt. Terrorist wird der, der glaubt, dass seine Rechte so grundlegend missachtet werden, dass dies Gewalt rechtfertigt, ja geradezu notwendig und heldenhaft erscheinen lässt. Dass sich eine solche Haltung durch geeignete 'Gehirnwäsche' erzeugen lässt, gehört schon lange zu unserem menschlichen Repertoire, auf welcher Seite und unter welcher Absicht auch immer. Wir haben als Menschen verlernt, das Leben zu achten in all seiner Vielfalt. Dabei ist es unser Grund.
Die ausufernde Geldkultur tut hier ein übriges.

Alle Flussrequien sind als Rituale geplant, die der Trauer einen Fluss und damit den Beginn oder einen Schritt der Überwindung tief gehender Verluste und Verletzungen ermöglichen sollen.
Sie sind als kollektives Erleben angelegt.

Das "New York Requiem" ist als Trauerritual für den 11. 09. konzipiert.
Für jeden, der dort im World Trade Center umgekommen ist, wird aus Treibholz, aus Gegenständen oder Dingen, die besonderen Vorlieben der dort Getöteten entsprechen, ein Boot gebaut, als Floss, auch in jeder anderen Form.
All diese Boote sind mit Licht und einem sehr einfachen Abspielgerät ausgestattet und bekommen eine individuelle Musik, die so komponiert ist, dass sie mit der Musik all der anderen Booten harmoniert und zusammen eine Komposition ergeben. Die Boote sollen in Zusammenarbeit mit Schulen, aber auch jeder anderen sinnvollen Gruppe geschaffen werden. Zusammen mit den Hinterbliebenden, so gewünscht. Hier sind alle denkbaren Formen einer Zusammenarbeit vollständig in Ordnung.

Das Requiem selbst wird am frühen Abend kurz nach Sonnenuntergang beginnen. In einem dafür abgesperrten Flussabschnitt werden die Boote ins Wasser gelassen, die Abspielgeräte eingeschaltet. Von der Strömung werden sie nun durch das Leben, durch den Abschied getragen und dort am Ende wieder eingesammelt. Währenddessen sorgt die Verteilung der Boote, das Licht und das Strömen selbst für die Aufführung des Requiems. Die Teilnehmer des Rituals stehen am Ufer. Für eine möglichst weitgehende Stille in der Stadt während des Requiems wäre zu sorgen.

Eine umfangreiche Dokumentation kann den gesamten Prozess begleiten.

Das New York Requiem wurde zwar in dieser Form für New York entwickelt, ist aber an jedem Ort dieser Welt und zu den ganz unterschiedlichen Anlässen von Trauer modifizierbar.

Allen Flussrequien ist das Bild des Bootes, oder des Flusses und oder des Gehens gemeinsam. Dies kann auf ganz verschiedene Art und Weise realisiert werden.
Kaukasisches Requiem Kaukasisches Requiem

Kaukasisches Requiem


Das kaukasische Requiem für eine ältere Tänzerin, einen jungen Schauspieler, Chor und Kammerorchester gehört in die Reihe der Flussrequien, zu denen u. a. das ‘Requiem für alle, die durch ein Buch getötet worden sind’ und das ‘New York Requiem’ gehört. Die Form des Fluss-Requiems hat keinerlei Bezug zum katholischen Ritus, sondern begreift das Requiem als Spiegel, als Möglichkeit zum Leben hin zu sehen. Trauer ist die grundlegende Rückkehr zum Selbst, diesem Etwas, das uns bewegt und im letzten Grund eine Quelle ist, aus der heraus sich alles öffnet. Die Flussrequien zielen in eine lebende Archaik, auf der wir wie ein Boot auf dem Wasser geborgen sind, aber ohne jeden Übergriff; Spiegel, nicht Ritual, Offenlegung jedoch weder Wiederholung noch Festhalten oder gar Mission.
Das kaukasische Requiem wurde für ein landart-Projekt der Nationalgalerie von Georgien 2006 entwickelt. Der Anlass für das Projekt waren Tagebuchaufzeichnungen von Ominde Kortzaia. Kortzaia beschreibt darin minutiös ein Ereignis aus dem Jahr 1945. Bei der Rückkehr zu ihren Dörfern entdeckten Bewohner aus Svanetien deutsche Soldaten, die ohne Kampf in den eisigen Höhen der Berge umgekommen waren. Sie wurden geborgen und ehrenvoll begraben. Ich empfinde in der Handlung dieser Menschen eine unglaubliche Freiheit und Menschlichkeit, deren Haltung genau die eines Requiems ist, wie sie in den Flussrequien zum Ausdruck kommen sollen. Das ist unabhängig von Mode oder Strömung. Es trifft.
Das kaukasische Requiem zeigt diese Menschen als Spiegel. Dazu bedient es sich sieben Aktionen, die wie die Teile eines Puzzle den letzten Grund solchen Menschseins zeigen.
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Text für Bewerbung Ortstermine in der Staatsbibliothek München

Ortstermin Staatsbibliothek: Ein Requiem. Buchtexte schwirren vom Chor rhythmisch gesprochen durch das große Foyer, Schritte von Menschen, die sich treppauf, treppab bewegen, hallen wider, Gesänge ertönen, Instrumente erklingen, projizierte Bilder schlagen Trommeln – das Haus der Bücher füllt sich mit Klang, mit Bewegung, mit Stille. Das siebte Flussrequiem von Thomas Heiber ist all jenen gewidmet, die durch ein Buch getötet wurden.

Können Bücher töten? In der Literatur findet sich das Motiv des tötenden Buches durchaus: in der Erzählung „Das Papierhaus“ von Carlos María Domínquez etwa oder in Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“. Der Nachahmungstäter ist ein beliebtes Motiv der Kriminalliteratur. Doch in der Wirklichkeit? Sterben Menschen durch Bücher?

Können Bücher töten? In der Staatsbibliothek stehen sie nebeneinander, eines wie das andere, ohne Wertung, ohne Unterschied, Buch an Buch, Seite an Seite. In jedem Buch reihen sich Buchstaben zu Wörtern, Wörter zu Zeilen, Zeilen zu Absätzen, Absätze zu Kapiteln ... Ein endloses Spiel der Zeichen und Leerzeichen. Erst wenn wir sie lesen, nehmen sie Gestalt an, können sie in uns Gedanken, Bilder, Emotionen, Erinnerungen, Meinungen, Ideen, Vorstellungen, ja sogar Gerüche und Klänge erzeugen.

Können Bücher töten? Menschen töten. Menschen schreiben. Menschen lesen. Während die einen im Namen der Bibel oder des Koran töten, finden andere gerade in diesen Werken Frieden, Hoffnung und den Grund ihres Seins. In ein und dem demselben Buch spiegeln sich Liebe und Hass, Frieden und Krieg. Doch in einer Bibliothek stehen mehr als ideologisch geprägte, theologische, politische, soziologische philosophische oder historische Werke. Wir finden in ihren Tiefen Mythen, Märchen, Sagen und Legenden, aber auch profane, scheinbar objektive Wahrheiten wie Gesetzestexte, medizinische Rezepte und pharmakologische Rezepturen, Kochbücher, Gesundheits- und Diätratgeber, Chemie- und Physikbücher … Wie viele Menschen wurden ihre Opfer? Wie viele folgten ihren Anweisungen, nahmen sie wörtlich, wendeten sie an zum eigenen und zum Schaden anderer?

Ein Requiem. Bücher, die töten. Fragen steigen auf: Wie buchstabengläubig bin eigentlich ich? Wie gehe ich um mit dem geschriebenen Wort? Mache ich mir das Gelesene zu eigen und lasse anderes nicht mehr gelten? Stelle ich mich gegen den Strom, wenn Ideen, welcher Art auch immer, beginnen, sich zu verselbständigen? Requiem für alle, die durch ein Buch getötet wurden. Das erinnert an vergangene und aktuelle Ereignisse. Eine Auswahl mag für die vielen stehen:
  • 10. Mai 1933: Bücher brennen in ganz Deutschland, auch in unmittelbarer Nähe der Staatsbibliothek München. Menschen vernichten Bücher, die den nationalsozialistischen Machthabern als gefährlich und subversiv gelten. Sie folgen Adolf Hitler. Sein Buch „Mein Kampf“ ist bis heute verboten, weil es Rassenhass und Völkermord geschürt hat, weil es zur ideologischen Grundlage für Weltkrieg und Massensterben wurde.
  • 27. November 1095: Papst Urban II. ruft zur Befreiung Jerusalems und der heiligen Stätten im Osten auf. Einige Monate später folgen viele Gläubige Predigern wie Peter von Amiens. Sie ziehen in den Krieg gegen die Muslime. Der erste Kreuzzug beginnt mit der Ermordung der jüdischen Bevölkerung in Mainz, Köln, Worms, Speyer und Trier. Die Mörder berufen sich auf die Bibel.
  • 26. Juni 1929: Durch eine Straflagerreform wird durch Josef Stalin in der Sowjetunion das GULAG-System perfektioniert. In Straflagern, Gefängnissen, durch Zwangsarbeit oder in der Verbannung sterben Millionen von Menschen. Für die Entstehung des Kommunismus, des Marxismus-Leninismus und damit auch des Stalinismus wird unter anderem ein Buch verantwortlich gemacht: Das dreibändige „Kapital“ von Karl Marx und Friedrich Engels, erschienen in den Jahren 1876 bis 1895.
  • Im Frühjahr 1774 schreibt Johann Wolfgang von Goethe den Roman „Die Leiden des jungen Werthers“. Die Lektüre, heißt es, habe etliche junge Männer dazu gebracht, sich selbst zu töten. Noch heute wird bei Nachahmungssuiziden vom „Werther-Effekt“ gesprochen.
  • 1487 verfassen Heinrich Institoris und Jakob Sprenger den „Hexenhammer“. Er bildet im 16. und 17. Jahrhundert die kirchlich-theologische Legitimation für die grausame Folterung und Hinrichtung zahlloser Männer und Frauen.
  • Im Jahr 1966 beginnt in China die „große proletarische Kulturrevolution“. Die Roten Garden folgen den Ideen der „Mao-Bibel“, den „Worten des Vorsitzenden Mao-Tsetung“. Allein in Tibet sterben mehr als eine Million Menschen.
  • 11. September 2001: Die Männer, die das World Trade Center zerstören und Tausende von Menschen töten, berufen sich auf den Koran. Zahlreiche Attentate und Selbstmordattentate werden im ausgehenden 20. und im 21. Jahrhundert im Namen des Propheten Mohammed begangen.

Ortstermin Staatsbibliothek: Eine Aufführung beginnt. Das Plaudern, Füße scharren und Rascheln der Menschen verstummt. Schweigen. Ort, Worte, Geräusche, Klänge, Bewegungen, Bilder, Ausführende und Zuhörende tauchen ein in die Präsenz des Augenblicks. Requiem für alle, die durch ein Buch getötet wurden.
Angela Stüber
Requiem für alle, die durch ein Buch getötet wurden

Ort:
große Bibliothek (recherchiert: Staatsbibliothek München, Staatsbibiothek Berlin I),

Ausführung:
1. Ein großes Plakat mit dem Satz: „Requiem für alle, die durch ein Buch getötet wurden“ in schlichten schwarzen Buchstaben, an der Gebäudefront.
Sinfonia da Requiem

"Ritual für Flöte und Orgel, 2006"


Wie in den allen Flussrequien stellt die Musik einen Rahmen zur Verfügung, in den angemessene rituelle Handlungen eingepasst werden können, etwa im Sinne einer Performance, wie sie von Paolo Giudici in Photophagia, London 2006, und in der Videoarbeit 'High Tide', 2007 realisiert worden sind. Die Bandbreite von "Ritual" ist sehr weitgefasst, die Inhalte frei.