Un Morceau d'âge
Paris, 23. 10. 2010
DUO Förderung der Robert-Bosch-Stiftung, Centre National de la Danse, Pantin, l'avant rue, La Cascade, Bourg St Andéol.
Compagnie En Train De
Un Morceau d’Age / Ein Stück Alter(n)
"Mehr als 40 Jahre braucht ein Clown schon, bis er das richtige Gesicht bekommt." Oleg Popov
Ein Stück über das Altern, die Erinnerung und dieses richtige Gesicht.
Erzählung, Artistik, Tanz, Musik und Projektion sind die Mittel der deutsch-französischen
Compagnie, in der drei richtig Alte, zwischen 70 und 82, zwei Tänzer und eine Schauspielerin und
drei junge Artisten zusammen gefunden haben.
Sie bilden ein spannendes Feld, zwischen jugendlicher, bis in Detail beherrschter Artistik und einer
über Jahrzehnte lang erübten Reife. Wir sehen einen alten Mann im Dialog, feine, ausgearbeitete
Gesten, denen der Junge ungestüm, vehement, mit virtous eingesetzter Körperkraft anwortet.
Eine Großmutter schiebt einen Kinderwagen, aber das Kind schreit aus dem Bildschirm im Wagen,
der statt dem Kind dort ist. Sie unterhält sich mit der Tochter am Handy, gibt dem Bildschirm
die Flasche, die Tochter aber sehen wir irgendwie im Hintergrund, wie sie, statt zu antworten,
die Antworten und ihren Alltag tanzt. Dann sehen wir die Alte im Kaffee, aber die Bedienung
kommt von oben, eine Aufgabe, die die Vertikaltuchartistin in einem virtuosen Auf und Ab am Tuch
übernimmt.
Überall ist Witz, und der Ernst einer Lebensphase, die wir tendenziell ablehnen. Hier wird das
sprühend, überraschend, auch melancholisch über die Bühne ziehen, aber nichts von diesem üblichen
Mitleid haben, mit dem wir das Alter normalerweise bedenken.
Nouveau Cirque, wie er in Frankreich und Kanada als enorme Öffnung entwickelt worden ist,
ist dafür das ideale Vorgehen. Er fasziniert, weil die unterschiedlichen Kunstsparten aus ihren
Traditionen gelöst wurden, ohne sie zu leugnen. Das Projekt selbst liegt viel weiter im Tanz als das
Wort Cirque vermuten lässt.
Das Stück ist abendfüllend und wegen der Projektionen eher für einen frontalen Betrachtungswinkel
geschaffen. Ein Theaterraum ist sicherlich ideal.
Wir nutzen wenig Requisiten, die von den beiden Artisten (Tuch- und Bodenakrobatik) im Moment
ihrer Notwendigkeit gebaut, dargestellt oder gebracht werden.
Drei weisse Vertikaltücher dienen zugleich neben zwei von uns entwickelten Projektionsflächen als
Möglichkeit für Film, Bild und Spiel mit dem Wechsel zwischen Projektion und Bühnenrealität. Von
der Idee her, soll das Stück Techniken des Films, wie die subjektive Perspektive, aber besonders den
Schnitt nutzen können.
Dominique Dupuy, Cyrille Musy, Violaine Micheau, Carole Lahile, Tänzer und Akrobaten
Gerhard Schabel, Bild und Projektion
Thomas Heiber, Musik, Bühnenbild, Choreographie
Nanako Nakajima, Tanzdramaturgie
EAT
Riehen, CH 27./28.5.2008